Saskia de Kleijn

“Hühnerschlachten 2012″

Malerei und Zeichnung, alle 2011

7 Zeichnungen – Bleistift und Aquarell auf Papier, DinA4 und kleiner

3 Malereien – Öl, Acryl und Ölkreide auf Leinwand, 70×60 cm und 2 à 70×50 cm

2 Malereien -Öl und Acyl auf Leinwand 50×40 cm und ???

Die Arbeit besteht in dieser Ausstellungssituation aus fünf Ölbildern und 7 Zeichnungen, die darüber hinaus auch eigenständigen Charakter und autarke Berechtigung besitzen, also auch einzeln betrachtet werden können. Dargestellt ist die titelgebende Schlachtung und Aufbereitung eines Huhns durch eine männliche Figur.

Ausgangsmaterial für die Arbeit sind fotografische Dokumentationen des Vorgangs, durch deren Auswahl sich ein erster filtrierender Prozess vom bloßen Abbild zu einem bildnerischen Auftrag abzeichnet. Die anschließende Verarbeitung des Motivmaterials zielt in beiden Fällen, sowohl Malerei als auch Zeichnung, auf die Genesis eines Idealbildes und Prototypen für das Motiv ab, wobei weniger der Vorgang des Schlachtens an und für sich abgehandelt wird, als viel mehr das Bild des Schlachtens als Stereotyp in der Gesellschaft. Darin zeigt sich eine Korrespondenz mit hergebrachten Darstellungen einer dörflichen Handschlachtung: aus der bäuerlichen Frauenfigur mit Kittel, Kopftuch und Gummistiefeln wird ein junger Mann mit Fan-Pullover eines Fußballvereins mit bekannter Affinität zur linksalternativen Szene. Somit wird der Akt des Tötens aus dem Sujet einer nostalgischen (und somit beschönigenden) Bauern-  oder Genremalerei überführt in eine Darstellung, die dichter am persönlichen Erleben der aktuellen Rezipienten angesiedelt ist und somit direkter – aber auch brutaler – auf das Bilddenken des Betrachters einwirkt. Hierbei bedient sich die Malerei in ihrer Herstellung eines dialogischen Prozesses aus künstlerischem Artwissen und direkter individueller Spontanentscheidung, während die Zeichnungen lediglich als Momentaufnahmen eines fortwährenden Auslotungsprozesses formfinderischer Natur zu sehen sind. Beiden Prozessen zu eigen ist die beständige Einflussnahme der ursprünglichen künstlerischen Intention und dem Aussagewillen der Arbeit: an diesem Punkt wird die Metamorphose vom Tier zum Produkt verhandelt – genauer gesagt: die scheinbar übergangslose Verwandlung vom Bild eines Tieres zum Bild eines Produktes im Sinne bildlicher Vorstellungen, die im kollektiven Bewußtsein der Gesellschaft verankert sind. Dabei wird der Vorgang der tatsächlichen Metamorphose von einem “Bild” zum anderen “Bild” stringenterweise über bildliche Mittel und die Darstellung der Zwischenschritte nachvollzogen und es entstehen drei Ebenen der Metamorphosen, die nicht nur nebeneinander oder wertig geordnet existieren, sondern sich durchdringen und gegenseitig bedingen: die Ebene des realen Tieres und des realen “Endproduktes”, die Ebene der Stereotypen dieser beiden Zustände und die Ebene ihrer bildlichen Darstellung und Manifestation. Und nur in letzterer wird die Metamorphose tatsächlich vollzogen, analog zum bildnerischen Prozess, welcher das Sujet ebenso verwandelt und das Thema dadurch erhöht und aus den Niederungen einer rein moralisch interessierten Diskussion zur Tötung von Lebewesen befreit. Denn letztendlich findet die Wandlung tatsächlich nur im Kopf des Betrachters und Konsumenten statt: der “Gegenstand” der Betrachtung, das Tier, bleibt ja in seiner Individualität auch partiell erhalten, lediglich die Verortung in einen neuen Kontext vermag dieses scheinbar zu ändern. Diese Neudefinition des Kontextes hat seinen Niederschlag in den verschiedenen Aspekten der Arbeit.

 

Alle Fotos sind von Hauke Hille

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