Secession! auf dem Weihnachtsmarkt – Die Eröffnungsrede

12. Dezember 2011: Manuel Zint hält seine Eröffnunsrede

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich darf Sie herzlich begrüßen zur zweiten Ausstellung unseres Projektes “Secession!”. Ich freue mich, daß Sie trotz des Wetters den Weg zu uns gefunden haben – hier auf dem Itzehoer Weihnachtsmarkt – Hütte B!

Wie Sie vielleicht wissen, ist es ein Kernpunkt dieser Ausstellungsreihe Orte mit Kunst zu bespielen, die normalerweise nicht kunstaffin sind, aber auch noch nicht die Kunst als dekoratives Element mißbraucht haben
- kurz gesagt betreten wir Neuland, abseits der bildungsbürgerlichen Wildwechsel und Gepflogenheiten, und beschreiten neue Wege.

Denn auch das beinhaltet der Begriff “Secession”, der eben nicht nur im Sinne einer Abgrenzung benutzt wird, sondern auch als Kennzeichen für eine Neugruppierung, eine Neuinterpretation. Insofern grenzen wir uns mit diesem Projekt ab – von der allgemeinen Ausstellungspraxis und den Rezeptionsmechanismen in der kulturellen Szene dieser Stadt. Nicht ohne die Hoffnung, damit aufzuzeigen, daß gute Kunst nicht zwangsläufig einer musealen oder Galerie-Atmosphäre bedarf und daß auch in dieser Stadt mehr möglich ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Wie schon mehrfach gesagt wurde, gehört es zum Ausstellungsgedanken dieses Projektes, daß wir kunstferne Bevölkerungsgruppen an die Kunst heranführen wollen, also den Berg in Richtung Propheten bewegen – dies ist natürlich nur die eine Seite der Medaille, denn genauso wollen wir dem bildungsbürgerlichen Kunstpublikum auch die Orte und Mechanismen der Subkultur nahe bringen, was uns in der letzten Ausstellung wohl ganz gut gelungen ist. Welche der beiden Gruppierungen Sie sich jetzt zuordnen, bleibt ganz Ihnen überlassen.

Wenn wir darüber reden, ungewöhnliche Orte als Ausstellungs- möglichkeiten zu entdecken, dann müssen wir auch hier wieder die Kehrseite mit bedenken und offen zugeben, daß wir aus der Not eine Tugend gemacht haben. Denn natürlich würden wir auch in der Stadtgalerie ausstellen – wenn es sie gäbe. Oder im Stadtmuseum. Oder im Itzehoer Kunstverein. Oder in der “Kunsthalle an der Stör“. Leider gibt es dies alles nicht und die einzige vorhandene Institution, zu deren originären Aufgabenbereich es gehört, die regionale Kunstszene zu präsentieren – das Kreismuseum nämlich – weigert sich schlicht, überhaupt eine Kunstszene zu präsentieren. Und es ist nicht zuletzt deshalb so verwunderlich, daß diese Institution überhaupt nicht unter den Druck der Öffentlichkeit gerät (immerhin ist es eine öffentliche Einrichtung) als dieser Zustand bundesweit wohl einmalig ist.
Insofern könnte man dieses Ausstellungsprojekt auch als einen Indikator für die Situation der Itzehoer Kunstschaffenden sehen, so wie die Bergleute früherer Tage Kanarienvögel mit in die Grube nahmen. Noch flattert und zwitschert der Kanarie wie Sie sehen.

Als wir uns entschlossen, für drei Tage eine Bude auf dem Weihnachtsmarkt zu bespielen, mussten wir natürlich eine entsprechende Ausstellungssituation umsetzen. Bei der geringen Größe des Raumes wären dafür nur zwei Extreme möglich gewesen: eine total reduzierte Präsentation in einem White Cube, oder eben die völlige Überbelegung. Wir haben uns für letzteres entschieden, wie Sie sehen können und diese Situation noch weiter übertrieben.
Dabei bedienen wir uns des Typus der “Wunderkammer”. Diese Raritätenkabinette, wovon das “Grüne Gewölbe” in Dresden das bekannteste sein dürfte, kamen Ende des 16. Jhdts in Mode um dort neben allerlei Kuriositäten und wertvollen Kleinodien seine Kunswerke aufzubewahren und auszustellen. Der Punkt, der uns natürlich am besten daran gefällt, ist die Gleichbehandlung des Wertes eines Kunstwerkes, im Vergleich zu einem sehr seltenen Mineral, einer wunderschönen exotischen Meeresschnecke, oder eines Gegenstandes aus Edelmetall – welch goldene Zeiten!
Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Vergnügen in unserer Wunderkammer!

Ich darf Sie an dieser Stelle noch zu zwei weiteren Terminen einladen, die bei keiner Ausstellung fehlen sollten: wir feiern morgen um 16:45 das “Bergfest” und Mittwoch um 19:00 die Finissage!

Und nun erkläre ich die kürzeste Kunstausstellung in Itzehoes kleinstem Kunsthaus die “Secession! In Hütte B” für eröffnet!

Dankeschön!

 

 

Secesssion! auf dem Weihnachtsmarkt in Itzehoe

heute (13.12.) ab 14:00 Uhr – Bergfest um 16:45 Uhr

morgen (14.12.) ab 14:00 Uhr – Finissage um 19:00 Uhr

 

Fotos von Stefan Horstmann

Ein Kommentar

  1. Lydia Keune sagt:

    Ich finde diese Aktion total toll! Super Idee, super Umsetzung, super Crew!! Herzlichen Glückwunsch und weiter so…!

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